Wer Getreide für Schweine mahlt, beeinflusst damit, wie gut die Tiere das Futter verdauen und wie stark ihr Magen belastet wird. Feineres Mahlen vergrößert die Oberfläche der Futterteilchen, an der Verdauungsenzyme das Futter aufspalten. Zu feines Futter erhöht jedoch den Staubanteil und das Risiko für Magengeschwüre. Welche Einstellung passt, hängt deshalb von der Getreideart, dem Alter der Schweine und der Futterform ab.
Als Partikelgröße gilt der mittlere Durchmesser der Futterteilchen. Die Futterstruktur beschreibt zusätzlich, wie sich feine und grobe Teilchen im Futter verteilen. Deshalb sollte man nicht nur den Mahlgrad oder die Siebgröße der Mühle betrachten. Wichtig ist auch die Verteilung der Teilchen im fertigen Futter.
Fein mahlen verbessert die Verdaulichkeit, aber nicht unbegrenzt
Feiner gemahlenes Getreide bietet Verdauungsenzymen mehr Angriffsfläche. Dadurch verbessert sich im Allgemeinen die Verdaulichkeit von Eiweiß und Energie. Wie stark sich das auf die Leistung auswirkt, hängt jedoch vom Ausgangsfutter und vom Alter oder Gewicht der Schweine ab. Darauf weist eine Übersicht der Universität Hohenheim hin.
Ein niedrigerer Mittelwert ist deshalb nicht automatisch besser. Bei sehr feinem Futter nehmen Staub und das Risiko für Magenprobleme zu. Feines Mahlgut kann außerdem schlechter durch Futterleitungen und Tröge fließen. Laut der Fütterungsempfehlung der Kansas State University kann Futter mit einer Vermahlung unter 500 Mikrometern bei Aufzuchtferkeln die Futteraufnahme und Schmackhaftigkeit beeinträchtigen. In den dort zusammengefassten Untersuchungen brachte die feinere Vermahlung bei Ferkeln in mehlförmigem Futter keinen zusätzlichen Vorteil bei der Futterverwertung.
Auch die Gesundheit des Magens begrenzt, wie fein das Futter gemahlen werden sollte. Eine sehr feine, staubige Futterstruktur erhöht laut der Hohenheimer Übersicht das Risiko für Magengeschwüre. Bei Schweinen mit Magengeschwüren liegt die empfindliche Schleimhaut nahe dem Übergang aus der Speiseröhre in den Magen. Laut einem Beitrag zu Magenproblemen bei Sauen kommt diese Stelle leichter mit Magensäure in Kontakt, wenn der Mageninhalt dünnflüssig ist. Eine passende Futterstruktur spielt daher nicht nur für die Verdaulichkeit, sondern auch für die Magengesundheit eine Rolle.
Orientierungswerte hängen von Futter und Tieralter ab
Die folgenden Werte beziehen sich auf den mittleren Durchmesser der Teilchen. Sie sind Orientierungen aus den jeweils genannten Fütterungskontexten, keine allgemeingültigen Zielwerte für jede Ration.
| Futter und Tiergruppe | Orientierungswert | Einordnung |
|---|---|---|
| Maisfutter für die meisten Schweine | etwa 700–800 Mikrometer | Empfehlung aus Untersuchungen der Kansas State University, zusammengefasst vom Mississippi State University Extension Service |
| Mehlförmiges Futter für Aufzuchtferkel | etwa 600 Mikrometer | Die Kansas State University verbindet diesen Bereich mit besserer Verdaulichkeit und Leistung |
| Pelletiertes Futter für Aufzuchtferkel | etwa 350 Mikrometer | In pelletiertem Futter scheint eine feinere Vermahlung die Leistung zu verbessern |
Die Werte lassen sich nicht einfach auf andere Getreidearten oder Sauen übertragen. Bei Mais verbesserte eine Verringerung der mittleren Partikelgröße von 1.107 auf 460 Mikrometer die Futterverwertung in den angeführten Untersuchungen um 6 bis 10 Prozent. Bei 460 Mikrometern stieg jedoch zugleich das Risiko für Magengeschwüre bei Mastschweinen. Für die meisten Schweine nennt die Extension deshalb 700 bis 800 Mikrometer als Orientierung für Mais.
Für Sauen liegt in den genannten Quellen kein entsprechender Zahlenwert vor. Ein Biofutteranbieter beschreibt eine abgestimmte Vermahlung unterschiedlicher Rohstoffe und den Einsatz grober Gerstenanteile, nennt aber keine messbare Zielgröße. Diese Angaben sind daher kein übertragbarer Grenzwert für andere Futter oder Betriebe.
Siebproben zeigen, was die Mühle tatsächlich erzeugt
Die Größe der Sieböffnungen bestimmt die mittlere Partikelgröße nicht allein. Eine Hammermühle zerkleinert Getreide mit schnell bewegten Schlägern. Neben der Drehzahl spielt der Verschleiß der Schläger eine Rolle. Auch die Feuchte des Getreides und die pro Zeit verarbeitete Getreidemenge beeinflussen das Ergebnis. Selbst bei gleicher Sieböffnung kann die Vermahlung deshalb unterschiedlich ausfallen.
Man kann eine Probe des fertigen Futters durch Siebe mit unterschiedlich großen Öffnungen trennen. Bei mehlförmigem Futter bestimmt man die Teilchengrößenverteilung üblicherweise durch Trockensiebung: Eine trockene Futterprobe wird durch Siebe mit unterschiedlich großen Öffnungen gegeben. Die Hohenheimer Übersicht zur Partikelgröße verweist dafür auf DIN 66165. Entscheidend ist neben dem Mittelwert auch, wie viel sehr feines Material die Probe enthält.
Sieböffnungen geben für die Einstellung der Mühle nur einen ersten Anhaltspunkt. Die Mississippi State University Extension erläutert, dass die Sieböffnung die erreichbare Partikelgröße bei Hammermühlen beeinflusst. Das Ergebnis hängt aber auch von den Betriebsbedingungen ab, die oben genannt sind. Trockenes Getreide ergibt mehr feine Teilchen. Eine geringere Drehzahl senkt meist den Feinanteil, verlängert aber die Mahlzeit. Eine Siebprobe des fertigen Futters ist daher aussagekräftiger als die Siebgröße allein.
Hammermühle oder Walzenmühle?
Hammermühlen zerkleinern Getreide durch schnell bewegte Schläger. Sie verarbeiten unterschiedliche Rohstoffe und erlauben ein breites Spektrum an Mahlgraden. Im Vergleich erzeugen sie jedoch mehr Staub und eine uneinheitlichere Teilchengröße. Walzenmühlen quetschen und brechen das Korn zwischen Walzen, die sich in entgegengesetzte Richtungen drehen. Sie erzeugen eine gleichmäßigere Futterstruktur und benötigen laut Mississippi State University Extension weniger Energie. Sie eignen sich aber vor allem für Rohstoffe mit wenig Faser.
Für einen Betrieb mit wechselnden Rohstoffen kann die Hammermühle durch ihre Vielseitigkeit praktisch sein. Wenn eine gleichmäßige Teilchengröße und ein geringerer Feinanteil im Vordergrund stehen, spricht mehr für die Walzenmühle. Die Entscheidung sollte auch davon abhängen, welche Getreidearten verarbeitet werden und ob die vorhandene Mühle die gewünschte Struktur zuverlässig erreicht.
