Wer Rinder, Schweine oder Kälber füttert, entscheidet nicht nur darüber, ob die Tiere genug Nährstoffe bekommen. Auch die Herkunft und Nutzung der Futtermittel, die Gesundheit und das Verhalten der Tiere sowie die Kosten für den Betrieb gehören dazu. Nachhaltige Nutztierfütterung bringt diese Ziele zusammen: Sie soll Ressourcen schonen, die Tiere mit den Nährstoffen versorgen, die sie brauchen, und den Betrieb dauerhaft wirtschaftlich halten.
Eine praktische Definition lautet: Nachhaltig ist eine Fütterung, wenn sie zur Tierart und zum Alter passt und Umwelt und Ressourcen berücksichtigt. Zugleich muss sie sich dauerhaft im Betrieb umsetzen lassen. Eine einzelne Zutat macht die Ration, also die Zusammenstellung des Futters für die Tiere, noch nicht nachhaltig. Entscheidend ist, wie sie sich auf Tiere, Futterflächen, Kosten und Vermarktung auswirkt.
Drei Ziele müssen zusammenpassen
Der Bundesverband Rind und Schwein beschreibt Nachhaltigkeit in der Nutztierhaltung anhand von drei Bereichen: Umwelt, Wirtschaft und soziale Erwartungen. Diese Ziele müssen gemeinsam betrachtet werden. Eine Maßnahme reicht daher nicht aus, wenn sie zwar einen Bereich verbessert, einen anderen aber dauerhaft belastet.
Beim Umweltschutz geht es darum, Ressourcen wie Boden und Futtermittel möglichst effizient zu nutzen und Umweltbelastungen zu begrenzen. Dazu zählt auch die Frage, ob essbare Rohstoffe wie Getreide oder Soja in der Tierfütterung eingesetzt werden oder ob geeignete Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung verwendet werden können. Der BRS betont zugleich die wirtschaftliche Seite: Einnahmen müssen Produktionskosten decken und dem Betrieb Spielraum für Reparaturen und Investitionen lassen. Zur sozialen Seite gehören Erwartungen an Tierwohl und an eine ausreichende, bezahlbare Versorgung mit Lebensmitteln. Diese drei Ziele fasst der BRS in seiner Darstellung der Nachhaltigkeit in der Nutztierhaltung zusammen.
Der Betrieb muss eine Umstellung auf teurere Futtermittel oder eine tierwohlgerechtere Haltung finanzieren können. Der BRS nennt als Beispiel, dass höhere Erlöse oder eine andere Verteilung der Kosten zusätzliche Ausgaben für mehr Tierwohl decken müssen. Wer eine Fütterungsmaßnahme prüft, sollte deshalb neben dem Futterpreis auch Arbeitsaufwand, Tiergesundheit und Vermarktungsmöglichkeiten berücksichtigen.
Futter soll Tiere versorgen und ihr Verhalten berücksichtigen
Futter liefert Energie und Nährstoffe. Es beeinflusst aber auch, wie Tiere fressen und sich beschäftigen können. Faserreiches Futter kann zum Kauen beitragen; bei Schweinen gehören geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten ebenfalls zur Vorbeugung gegen Verhaltensstörungen. Welche Fütterung passt, hängt von der Tierart und dem Alter der Tiere ab. Ein Bericht über eine Fachtagung des Deutschen Maiskomitees beschrieb 2018 den Zusammenhang zwischen Fütterung, Verhalten und Tiergesundheit und verwies auf faserreiche Futtermittel als möglichen Beitrag zum Tierwohl. Die Ergebnisse beschreiben daher den fachlichen Stand von 2018. Sie sind keine einheitliche Fütterungsvorgabe für alle Betriebe. Mehr dazu steht im Bericht über den Zusammenhang von Tierwohl, Verhalten und Fütterung.
Bei einer Fütterungsänderung zählt im Stall nicht nur, ob die Tiere das Futter fressen. Landwirte sollten auch beobachten, ob sich Fressverhalten, Gesundheit und Umgang mit dem Futter verändern. Für Schweine können Beschäftigungsmaterialien neben der Zusammensetzung der Ration eine Rolle spielen. Bei Rindern hängt die passende Fütterung unter anderem davon ab, ob die Tiere auf Grünland gehalten werden und welche Futtermittel der Betrieb zur Verfügung hat. Pauschale Mengenangaben lassen sich daraus nicht ableiten.
Auch die Kälberaufzucht zeigt, dass Fütterung und Tierwohl eng zusammenhängen. Bei einer kuhgebundenen Aufzucht, bei der das Kalb bei der Kuh bleibt, können beide ihr Saug- und Sozialverhalten ausleben. Dafür muss der Betrieb die Versorgung mit Kolostrum, der ersten Milch nach der Geburt, und mit weiterer Milch sorgfältig organisieren. Forschende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf betonen außerdem, dass mehrere Hinweise zum Tierwohl gehören, etwa Verhalten, Entwicklung und Gesundheit. Eine einzelne Beobachtung liefert kein vollständiges Bild. Die beschriebenen Zusammenhänge finden sich im Beitrag zur ganzheitlichen Beurteilung des Tierwohls.
Nebenprodukte nutzen, aber ihre Nährstoffe prüfen
Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung können Futtergetreide oder andere Rohstoffe, die auch Menschen essen könnten, teilweise ersetzen. Dazu zählen beispielsweise Kleie aus der Müllerei oder feuchte Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung. So verwerten Tiere Bestandteile, die bei der Herstellung von Lebensmitteln anfallen und weiterhin Nährstoffe enthalten. Für Schweine und Wiederkäuer kommen laut einem Bericht aus dem Jahr 2025 auch feuchte oder flüssige Nebenprodukte infrage; Geflügel nimmt eher trockene Nebenprodukte auf. Welche Einsatzmöglichkeiten bestehen, hängt also von Tierart und Produkt ab.
Der Vorteil für die Umwelt wird als plausibel eingeschätzt, weil ein großer Teil der Emissionen bei der Herstellung des Hauptprodukts entsteht. Wie stark Nebenprodukte die Klimabilanz eines bestimmten Betriebs verbessern, bleibt jedoch unbeziffert: Eine einheitliche Berechnungsgrundlage fehlt. Der Bericht zu Lebensmittelnebenprodukten als Futtermittel weist außerdem darauf hin, dass sich Nährstoffgehalte zwischen Lieferungen unterscheiden können. Manche Nebenprodukte enthalten beispielsweise viel Phosphor.
Landwirte sollten deshalb die Zusammensetzung jeder wichtigen Lieferung prüfen und die Futtermischung entsprechend anpassen. Das ist besonders wichtig, wenn der Betrieb die Stickstoff- oder Phosphorausscheidung begrenzen will. Ein Nebenprodukt ist nicht automatisch nachhaltig, wenn seine Nährstoffgehalte schlecht zur Ration passen oder der zusätzliche Aufwand den Nutzen aufhebt.
Futterreserven an Wetter und Betrieb anpassen
Zum Grundfutter zählen Gras, Heu und Silage, die häufig direkt auf dem Betrieb erzeugt werden. Trockenheit und andere extreme Wetterereignisse können Ertrag und Qualität des Grundfutters beeinträchtigen. Wenn nicht genug Grundfutter vorhanden ist oder seine Qualität sinkt, müssen Betriebe Ersatzfutter beschaffen und die Rationen neu planen. Die Landwirtschaftliche Forschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern beschreibt diese Risiken für Betriebe mit Milch- und Mutterkühen, Rindermast und Schafen. Ihre Hinweise gelten für diese Tierhaltungsbereiche und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Schweine übertragen.
Betriebe sollten früh erfassen, wie viel Futter sie vorrätig haben und welche Qualität es hat. So kann der Betrieb beurteilen, ob die geplante Versorgung ausreicht und welche Ersatzfuttermittel zur Tierart passen. Bei der Auswahl zählt nicht nur die Verfügbarkeit: Auch Nährstoffgehalt, Lagerung, Futteraufnahme und Kosten müssen stimmen. Die Hinweise zur Grünland- und Futterwirtschaft behandeln unter anderem Strategien für wetterbedingte Futterengpässe.
