Bullenmast

Neue Erkenntnisse zur Kälberfütterung in der Praxis

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Bei der Kälberaufzucht entscheidet die Fütterung in den ersten Lebenswochen mit darüber, wie gut die Tiere wachsen und wie sie später Festfutter aufnehmen. Neue Forschungsergebnisse stützen eine reichliche Milchversorgung und ein Absetzen, das sich an der tatsächlichen Aufnahme von Festfutter orientiert. Sie liefern aber keine pauschalen Mengen, die für jeden Betrieb und jedes Kalb passen.

Für die Praxis müssen Kolostrumversorgung und Milchtränke mit dem Beifutter zusammenpassen. Kälberstarter ist ein energiereiches Festfutter für junge Kälber; Grundfutter bezeichnet etwa Heu oder Stroh. Entscheidend ist, die Aufnahme der Kälber zu beobachten und die Milch schrittweise zu reduzieren, statt allein nach einem festen Alter abzusetzen.

Reichlich Milch fördert frühe Zunahmen

Eine Empfehlung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) für die ersten fünf bis sieben Lebenswochen verbindet eine optimierte Versorgung mit Kolostrum, also der ersten Milch nach der Geburt, mit einer Sattfütterung und einem abgestimmten Beifutterangebot. Haltung, Hygiene und Tiergesundheit gehören ebenfalls zu den Grundlagen der Aufzucht. Die Empfehlung richtet sich auf gesunde und wüchsige Kälber; konkrete Tränkemengen nennt der verfügbare Auszug nicht. Die DLG-Empfehlung zur Kälberaufzucht gibt deshalb eine Richtung vor, aber keinen fertigen Fütterungsplan.

Eine Untersuchung mit Holstein-Friesian-Kälbern verglich in den ersten vier Lebenswochen freie Milchaufnahme, auch „ad libitum“ genannt, mit einer begrenzten Tränkemenge. Die frei getränkten Kälber nahmen in dieser Phase deutlich mehr Energie über die Milch auf und legten bis zur zehnten Lebenswoche im Mittel stärker an Gewicht zu. Die Kraftfutteraufnahme unterschied sich in den ersten zehn Wochen dagegen nicht signifikant. Die Studie zur frühen Tränkeintensität berichtet außerdem, dass die Tiere mit freier Milchaufnahme in ihrer ersten Laktation mehr Milch gaben und mehr Futter aufnahmen. Milchfett- und Milcheiweißgehalt sowie das Erstkalbealter unterschieden sich nicht.

Die Ergebnisse stammen aus einem einzelnen Versuch mit einer begrenzten Zahl von Holstein-Kälbern. Sie belegen daher keine optimale Tränkemenge für alle Rassen und Haltungssysteme. Zudem nennen die deutsche und die englische Zusammenfassung unterschiedliche Zeiträume für den festgestellten Gewichtsvorteil. Für die Praxis spricht der Versuch dafür, die Milchversorgung nicht unnötig knapp zu halten. Eine konkrete Menge muss jedoch zum Tränkesystem, zum Gesundheitszustand und zur Entwicklung der Kälber passen.

Festfutteraufnahme als Maßstab fürs Absetzen

Beim Absetzen wird die Milchtränke beendet. Wenn die Milchmenge sinkt, bevor ein Kalb zuverlässig Festfutter frisst, fehlt ihm ein wichtiger Teil seiner bisherigen Energieversorgung. Eine im Agrarnetz-Beitrag zusammengefasste Auswertung von 44 Studien berichtet bessere Zunahmen und eine höhere Futteraufnahme, wenn der Absetzzeitpunkt an der Starteraufnahme statt an einem festen frühen Alter ausgerichtet wurde. Die Zusammenfassung nennt jedoch keine vollständigen Angaben zu den zugrunde liegenden Studien. Das Ergebnis dient zur Orientierung; einen universellen Grenzwert legt es nicht fest. Die Zusammenfassung zu Absetzzeitpunkt und Starteraufnahme weist zugleich darauf hin, dass keine einzelne Absetzmethode für alle Betriebe passt.

Ein Versuch der Universität British Columbia reduzierte die Milch erst, wenn die Kälber bestimmte Mengen Kälberstarter fraßen. Dabei wurde der Durchschnitt der vorangegangenen drei Tage herangezogen. Eine Tagesaufnahme unter der Hälfte der Zielmenge galt als Ausschlusskriterium; abgesetzt wurde bei 1.300 Gramm Starter pro Kalb und Tag. Diese Schwelle beschreibt das Versuchsprotokoll und ist kein deutscher Richtwert. Sie zeigt vor allem, wie sich eine Absetzentscheidung an wiederholten Fressbeobachtungen statt an einem einzelnen guten Tag ausrichten lässt.

In den ausgewerteten Studien waren die Zunahmen schwächer, wenn die Milchmenge vor dem Absetzen unter etwa sechs Litern täglich sank. Auch dieser Wert ist kein allgemeiner Mindestbedarf: Er beschreibt einen Befund aus den betrachteten Untersuchungen und muss im Zusammenhang mit dem jeweiligen Tränkeplan gelesen werden. Die Milch sollte daher nicht abrupt gekürzt werden; zugleich ist die Starteraufnahme des einzelnen Kalbes zu beobachten. Wasser sollte laut der im Beitrag wiedergegebenen Expertenempfehlung jederzeit in einer Schale oder einem Eimer bereitstehen. Als weiterer Orientierungswert werden zum Ende der Milchphase mindestens zwei Kilogramm Trockenmasse aus Festfutter je Kalb und Tag genannt. Trockenmasse ist das Futtergewicht ohne enthaltenes Wasser; auch dieser Wert ist kein für jedes Fütterungssystem bestätigter Absetzgrenzwert.

Kraftfutter und Raufutter gemeinsam beurteilen

Kälberstarter liefert Energie und fördert die Aufnahme von Festfutter. Ein hoher Kraftfutteranteil ist jedoch nicht automatisch vorteilhaft. Eine zu starke Kraftfutterbetonung kann mit Pansenazidose einhergehen. Dabei übersäuert der Pansen, ein wichtiger Gärraum im Verdauungssystem des Rindes. Wie hoch der Kraftfutteranteil sein darf, bevor Gesundheit oder Entwicklung leiden, ist nach Angaben des Forschungsprojekts OptiFeedCalf noch nicht ausreichend geklärt.

Das Projekt untersucht bei Fleckvieh- und Holstein-Friesian-Kälbern unterschiedliche Kraftfutteranteile und vergleicht Heu mit Stroh. Außerdem prüft es verschiedene Verarbeitungsformen des Kraftfutters. Zu den erfassten Größen zählen Gesundheit und Wiederkauverhalten. Außerdem erfasst das Projekt Wachstum und Futteraufnahme. Da das Projekt bis 2029 läuft, liegen daraus noch keine abschließenden Ergebnisse vor. OptiFeedCalf an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein liefert daher derzeit keine belegte Grundlage für einen bestimmten Kraftfutteranteil oder eine allgemeingültige Wahl zwischen Heu und Stroh.

Bis belastbare Ergebnisse vorliegen, sollten Betriebe Starter- und Raufutteraufnahme gemeinsam beobachten. Frisst ein Kalb zwar viel Kraftfutter, nimmt aber kaum Raufutter auf, lässt sich daraus allein noch kein sicherer Grenzwert für eine Rationsänderung ableiten. Sinnvoll ist, Veränderungen bei Futteraufnahme, Wiederkauen, Wachstum und Gesundheit zusammen zu beurteilen und die Ration mit der zuständigen Fütterungsberatung abzustimmen.

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