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Sojaschrot beim Rind: Proteinqualität richtig bewerten

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Sojaschrot liefert viel Rohprotein und ergänzt andere Futtermittel gezielt in der Ration, also der täglichen Futtermischung für ein Rind. Der Rohproteingehalt allein zeigt aber nicht, wie viel Eiweiß das Tier verwerten kann. Dafür zählt, welcher Anteil im Pansen, einem Vormagen des Rindes, abgebaut wird, welcher den Dünndarm erreicht und welche Aminosäuren dort verfügbar sind.

Für die Beurteilung werden die Analyse der gelieferten Partie und die Futteraufnahme herangezogen. Auch die übrigen Futtermittel in der Ration fließen ein. Die aktuellen DLG-Futterwerttabellen bewerten die Proteinversorgung von Milchkühen unter anderem mit dünndarmverdaulichem Protein und Aminosäuren. Diese Werte helfen, Sojaschrot einzuordnen. Sie ersetzen aber keine Berechnung der gesamten Ration.

Warum Sojaschrot als Eiweißfutter geschätzt wird

Sojaschrot ergänzt die Ration, wenn das Grundfutter nicht genug Protein liefert. Bei Milchkühen muss das Futterprotein sowohl die Mikroorganismen im Pansen versorgen als auch dem Tier Aminosäuren für die Aufnahme im Dünndarm liefern.

Im Pansen bauen Mikroorganismen, also winzige Lebewesen, einen Teil des Futterproteins ab. Dabei bilden sie mikrobielles Rohprotein. Ein anderer Teil wird im Pansen nicht abgebaut und gelangt als UDP (unabbaubares Pansenprotein) in den Darm. Dort kann das Protein verdaut und als Aminosäuren aufgenommen werden. Die DLG fasst das von den Pansenmikroorganismen gebildete Protein und den im Dünndarm verdaulichen Anteil des UDP zum dünndarmverdaulichen Protein, kurz sidP zusammen. Für Milchkühe berücksichtigt sie außerdem dünndarmverdauliches Lysin und Methionin. Diese beiden Aminosäuren sind für die Versorgung besonders wichtig.

Der Rohproteingehalt allein reicht deshalb nicht aus, um Sojaschrot zu beurteilen. Ein hoher Wert auf dem Lieferschein gibt an, wie viel stickstoffhaltiges Futterprotein die Partie enthält. Er zeigt aber nicht vollständig, wie viel davon im Pansen abgebaut oder im Darm verdaut wird. Diese Unterschiede beeinflussen, wie das Sojaschrot in der Ration wirkt.

Welche Qualitätsmerkmale zählen

Prüfen Sie drei Dinge: Was enthält die gelieferte Partie? Wie wird ihr Protein im Verdauungstrakt abgebaut und verdaut? Passt sie zur Ration?

Merkmal Bedeutung für die Fütterung Praktische Prüfung
Rohprotein und weitere Nährstoffe Beschreiben die Zusammensetzung der Partie, aber nicht allein den nutzbaren Proteinwert. Aktuelle Futteranalyse und Lieferschein vergleichen.
Abbau im Pansen Ein Teil des Proteins versorgt die Pansenmikroben; ein anderer Teil gelangt als UDP weiter in den Darm. In der Rationsberechnung Abbau und UDP gemeinsam betrachten.
sidP und Aminosäuren Zeigen, wie viel verdauliches Protein und welche Aminosäuren am Dünndarm verfügbar sind. Bei Milchkühen die Werte nach dem verwendeten DLG- beziehungsweise GfE-Bewertungssystem heranziehen.
Verarbeitung und Zustand Herstellung und Lagerung gehören zur Beurteilung der gelieferten Partie. Produktangaben, Chargeninformationen und sichtbaren Zustand prüfen; auffällige Partien untersuchen lassen.

Die neuen DLG-Futterwerttabellen für Wiederkäuer beschreiben genauer, wie Protein im Pansen abgebaut wird. Sie unterscheiden Protein, das sich schnell im Pansen löst, von Protein, das dort abgebaut werden kann. Auch die Geschwindigkeit des Abbaus und mögliche Verzögerungen fließen ein. Die Tabellenwerte beziehen sich auf ein Futteraufnahmeniveau nahe der Erhaltung, also eine Futtermenge, die ungefähr den Erhaltungsbedarf des Tieres deckt. Bei einer Fütterung für hohe Leistung berücksichtigt die Rationsberechnung, dass eine höhere Futteraufnahme die Verweildauer des Futters im Vormagen verkürzt. Dadurch sinkt die Verdaulichkeit.

Die Tabellen sind als vorläufige Datenbasis ausgewiesen und nicht vollständig. Ein Tabellenwert gilt deshalb nicht unverändert für jede Sojaschrotpartie. Für die gelieferte Partie sind eine passende Analyse und die Berechnung der gesamten Ration wichtig. Die DLG-Merkblätter zur Energie- und Proteinbewertung erläutern die Bewertung nach den GfE-Empfehlungen von 2023.

Sojaschrot in der Ration einordnen

Sojaschrot passt in die Ration, wenn es eine erkennbare Versorgungslücke schließt. Dafür müssen Eiweiß, Energie und die Versorgung der Pansenmikroben zusammenpassen. Ein hoher Rohproteingehalt allein rechtfertigt keinen höheren Einsatz. Die Rationsberechnung zeigt, ob Kuh und Pansenmikroben genug Nährstoffe erhalten und ob zusätzliches Protein die Versorgung im Dünndarm verbessert.

Vergleichen Sie nicht nur den Preis je Tonne. Aussagekräftiger ist der Preis im Verhältnis zum Protein, das in der Ration tatsächlich verfügbar ist. Beziehen Sie Analysewerte und passende Futterwertangaben ein. Berücksichtigen Sie dabei auch die übrigen Futtermittel. Eine pauschale Einsatzmenge lässt sich daraus nicht ableiten. Sie hängt unter anderem vom Grundfutter sowie von Leistung und Futteraufnahme ab.

Ein Beitrag von LLG, Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Universität Göttingen berichtet, dass sich Sojaschrot in der Milchkuhfütterung durch Rapsextraktionsschrot ersetzen lässt. Dieser Befund hilft beim Vergleich von Rationen, ist aber keine allgemeine Empfehlung für jeden Betrieb. Auch heimische Eiweißfuttermittel kommen infrage und müssen einzeln bewertet werden. In einem Versuch mit Ackerbohnen fielen die Ergebnisse je nach Betrieb und Ration unterschiedlich aus. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Ackerbohnen Sojaschrot in jeder Milchkuhration ersetzen.

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