Bullenmast

Fütterung im Klimawandel: Rationen an Hitze anpassen

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Inhalt5 Abschnitte
  1. Was Hitze mit Futteraufnahme und Pansen macht
  2. Rationen anpassen, ohne den Pansen zu überlasten
  3. Wasserzugang zuerst prüfen
  4. Fütterungszeiten und Stallklima zusammendenken
  5. Wo Fütterungsanpassungen an ihre Grenzen stoßen

Bei Hitze ändern Rinder ihre Fresszeiten und fressen weniger. Wenn sie weniger Futter aufnehmen, fehlen Energie und Nährstoffe. Zugleich steigt das Risiko, dass der Pansen aus dem Gleichgewicht gerät. Der Pansen ist der Vormagen, in dem Mikroorganismen einen großen Teil des Futters aufschließen. Eine angepasste Ration hilft, diese Belastung zu begrenzen. Sie ersetzt aber weder ausreichend Wasser noch Schatten und Kühlung.

In der Praxis sollten Sie das Futter zu kühleren Tageszeiten anbieten, die Ration schrittweise umstellen und den Wasserzugang prüfen. Für Schweine sind konkrete Empfehlungen zur Anpassung der Ration schlechter belegt. Sauberes Wasser und passende Fütterungszeiten sind sinnvoll. Daraus lässt sich keine pauschale Rationsrezeptur ableiten.

Was Hitze mit Futteraufnahme und Pansen macht

Bei Rindern fällt Hitzestress häufig zuerst am Fressverhalten auf: Die Tiere nehmen weniger Futter auf und fressen eher zu kühleren Tageszeiten. Bei stärkerer Belastung kommen Hecheln, starkes Schwitzen und Teilnahmslosigkeit hinzu. Als grobe Orientierung nennt eine Fachquelle für Rinder etwa 24 °C in Verbindung mit mehr als 65 Prozent Luftfeuchtigkeit als Belastungsbereich. Bei Mastrindern gilt ein Temperatur-Feuchte-Index (THI) von 72 als Schwelle. Der Index verbindet Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu einem Maß für die Hitzebelastung. Die Werte sind Orientierungen, keine für jeden Stall und jede Tiergruppe gültigen Grenzwerte (Fachbeitrag zur Rinderfütterung bei Hitzestress).

Hecheln kostet die Tiere Speichel. Speichel hilft, Säuren im Pansen abzufangen. Schwankende Futteraufnahme und große Mahlzeiten belasten den Pansen zusätzlich. Der pH-Wert, der den Säuregrad misst, kann sinken. Dadurch steigt das Risiko einer Pansenazidose: Der Panseninhalt wird zu sauer. Weniger Wiederkauen und unregelmäßiges Fressen sind deshalb Hinweise, die Betriebsleitende ernst nehmen sollten.

Zuerst sollte die Ration dazu beitragen, dass die Tiere gleichmäßig Futter aufnehmen. Bieten Sie das Futter möglichst in den kühleren Stunden an. Prüfen Sie, ob alle Tiere daran kommen und ob es frisch ist. Bleiben Futterreste liegen oder fressen die Tiere nur wenige große Mahlzeiten, reicht eine Änderung der Fütterungszeit allein nicht aus. Prüfen Sie dann auch die Futterqualität, die Zahl der Fressplätze und den Wasserzugang.

Rationen anpassen, ohne den Pansen zu überlasten

Mehr Kraftfutter ist keine sichere Lösung, wenn die Tiere weniger fressen. Futter mit höherer Energiedichte kann helfen, den Energiebedarf zu decken. Bei ungeeigneter Zusammensetzung oder unregelmäßiger Aufnahme belastet es den Pansen jedoch stärker. Passen Sie den Energie- und Fasergehalt deshalb an die bestehende Ration, die Tiergruppe und die tatsächliche Futteraufnahme an.

Rinder brauchen weiterhin ausreichend strukturwirksames Futter. Damit sind Futterbestandteile gemeint, die zum Kauen und Wiederkauen anregen. Gerade bei Hitze ist das wichtig, weil Hecheln die Speichelpufferung vermindert. Pansenpuffer wie Natriumbicarbonat oder spezielle Lebendhefen werden als mögliche Ergänzungen beschrieben. Sie sind jedoch kein Ersatz für eine passend berechnete Ration; Dosierung und Eignung gehören in die Beratung durch Fütterungsfachleute.

Bei hochleistenden Kühen verdient auch die Energieversorgung besondere Aufmerksamkeit. Sinkt die Futteraufnahme deutlich, kann ein Energiemangel entstehen. Eine Ketose, also eine Stoffwechselstörung durch starken Energiemangel, ist dann ein mögliches Risiko. Treten auffällige Leistungseinbußen oder Krankheitssymptome auf, sollte die Ursache mit Tierärztin, Tierarzt oder Fütterungsberatung geklärt werden, statt auf eigene Faust einzelne Rationsbestandteile zu erhöhen.

Wasserzugang zuerst prüfen

Sauberes Wasser muss jederzeit erreichbar sein. Der Bedarf steigt bei Hitze deutlich: Als Orientierungswert nennt eine Beratung für eine Kuh mit 30 Litern Tagesmilchleistung rund 90 Liter Wasser bei 15 °C und etwa 110 Liter bei 35 °C. Hochleistende Kühe können an heißen Tagen bis zu 200 Liter benötigen. Solche Werte hängen unter anderem von Leistung, Futteraufnahme und Wetter ab und sind keine pauschale Trinkvorgabe (Angaben zum Wasserbedarf von Kühen).

Prüfen Sie, ob genügend Tränken vorhanden sind, ausreichend Wasser nachläuft und auch Tiere mit niedrigerem Rang trinken können. Als Orientierungsregel nennt die Landwirtschaftskammer Niederösterreich mindestens zwei Tränkemöglichkeiten je Tiergruppe; für größere Gruppen gilt die Faustregel: Tierzahl geteilt durch 20, plus eine zusätzliche Tränke. Diese Richtwerte müssen zur Gruppengröße, Stallaufteilung und tatsächlichen Zugänglichkeit passen. Die Tränken sollten täglich gereinigt werden, denn Schmutz und stehendes Wasser mindern die Wasseraufnahme und begünstigen die Vermehrung von Mikroorganismen (Hinweise zur Rinderversorgung mit Wasser).

Kälber sollten von Beginn an Wasser zur freien Aufnahme haben; bei Hitze sind Schatten und ausreichende Belüftung ebenso wichtig wie saubere Tränken. Für Schweine gilt ebenfalls: Wasser muss sauber und für alle Tiere erreichbar sein. Die Rinderwerte zu Wasserbedarf und Tränkezahl lassen sich jedoch nicht einfach auf Schweine übertragen.

Fütterungszeiten und Stallklima zusammendenken

Füttern Sie Rinder bevorzugt dann, wenn es im Stall kühler ist, und kontrollieren Sie danach, ob die Tiere tatsächlich ans Futter gehen. Bei wiederkehrender Hitze sollten Sie Futterreste, Fressverhalten und Wiederkauen regelmäßig beobachten. Die Tiere sollten möglichst gleichmäßig fressen, statt tagsüber kaum Futter und später große Mengen auf einmal aufzunehmen.

Fütterungsmaßnahmen reichen bei starker Wärmebelastung nicht aus. Luftbewegung und Schatten senken die Belastung zusätzlich. Für Rinder werden Luftgeschwindigkeiten von etwa 1 bis 2 Metern pro Sekunde als Maßnahme zur Kühlung genannt. Wasservernebelung kann die Luft abkühlen, bei hoher Luftfeuchtigkeit den Hitzestress aber verstärken. Prüfen Sie deshalb die Stallbedingungen, bevor Sie Vernebelung einsetzen (Hinweise zur Vermeidung von Hitzestress im Rinderstall).

Bei Schweinen sind die konkreten Rationsempfehlungen in den verfügbaren Quellen weniger gut belegt als bei Rindern. Deshalb sind pauschale Angaben zu Energie-, Eiweiß- oder Fettgehalt nicht sinnvoll. Fütterungszeit, Wasserzugang und Stallklima sollten gemeinsam bewertet werden; Änderungen der Rezeptur gehören mit der zuständigen Fütterungsberatung abgestimmt.

Wo Fütterungsanpassungen an ihre Grenzen stoßen

Eine angepasste Ration kann die Folgen einer geringeren Futteraufnahme und der verminderten Pufferwirkung des Speichels abmildern. Sie verhindert Hitzestress aber nicht, wenn Tiere keinen Schatten finden. Das gilt ebenso, wenn die Luft im Stall steht oder Wasser nicht schnell genug nachläuft. Bei Hecheln oder Teilnahmslosigkeit braucht es deshalb neben einer Prüfung der Fütterung auch Maßnahmen am Stallklima und gegebenenfalls tierärztliche Hilfe. Bei deutlich verändertem Fressverhalten gilt das ebenfalls.

Auch die verfügbaren Orientierungswerte ersetzen keine Einzelfallprüfung. Tierart, Leistung, Gruppengröße und Luftfeuchtigkeit beeinflussen den Bedarf. Bei wiederholten Hitzephasen sollten Betriebsleitende Futteraufnahme und Futterreste gemeinsam prüfen und dabei auch Wasserzugang sowie Stallbedingungen einbeziehen. Anpassungen planen sie schrittweise mit einer Fachberatung.

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