Bullenmast

Futtereffizienz beim Milchvieh messen und steigern

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Inhalt4 Abschnitte
  1. Mit wenigen Kennzahlen beginnen
  2. Was die Restfutteraufnahme zusätzlich zeigt
  3. Ration und Fütterung gleichmäßiger gestalten
  4. Veränderungen im Betrieb richtig prüfen

In einem Milchviehbetrieb zeigt die Futtereffizienz, wie viel Milch eine Kuh oder eine Gruppe im Verhältnis zur aufgenommenen Futtermenge erzeugt. Für den Vergleich im Betrieb eignet sich zum Beispiel die Milchmenge je Kilogramm Trockenmasseaufnahme. Trockenmasse ist der Futteranteil ohne Wasser. Der Kennwert hilft, Veränderungen zu erkennen, ist aber allein kein Beweis für eine bessere Fütterung.

Für genauere Vergleiche muss man berücksichtigen, wie viel Energie eine Kuh für die Milchbildung benötigt. Auch Veränderungen ihres Körpergewichts und ihrer Körperreserven beanspruchen Energie. Die sogenannte Restfutteraufnahme berücksichtigt diese Energieansprüche und vergleicht die tatsächliche Futteraufnahme mit der statistisch erwarteten. Entscheidend ist deshalb, Kennzahlen passend zum Ziel zu wählen und Kühe in vergleichbaren Gruppen zu betrachten.

Mit wenigen Kennzahlen beginnen

Für einen ersten Betriebsvergleich reicht eine Kennzahl je Kilogramm Milch und aufgenommener Trockenmasse. Sie lässt sich für eine Gruppe berechnen, wenn die verfütterte Trockenmasse abzüglich der Futterreste und die erzeugte Milchmenge für denselben Zeitraum vorliegen. Futtermenge und Reste müssen dafür gewogen und die Trockenmasse des Futters bekannt sein. Das Ergebnis ist ein Orientierungswert für die eigene Herde, kein allgemeiner Sollwert.

Die Bezugsgröße bestimmt, was die Kennzahl aussagt. Die Milchmenge je Futtermenge zeigt, wie effizient die Gruppe Milch erzeugt. Kennzahlen je Lebendgewicht, je Nährstoffeinheit, je Lebenstag oder je Fläche beantworten andere Fragen, etwa zur Tierentwicklung oder zur Nutzung betrieblicher Flächen. Das Projekt MilchEffizienz stellt diese unterschiedlichen Bezugsgrößen nebeneinander. Ein Vergleich ist nur sinnvoll, wenn Betriebe oder Gruppen dieselbe Kennzahl verwenden.

Die einfache Milch-Futter-Relation berücksichtigt Körpergewicht und Körperreserven nicht. Eine Kuh, die Körperfett abbaut, kann vorübergehend viel Milch je aufgenommenem Futter erzeugen. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie dauerhaft effizienter ist. Vergleiche sollten möglichst Kühe in einem ähnlichen Abschnitt der Laktation, also der Zeit nach dem Kalben, und mit ähnlichem Leistungsziel gegenüberstellen.

Was die Restfutteraufnahme zusätzlich zeigt

Die Restfutteraufnahme, abgekürzt RFI, beschreibt die Differenz zwischen der tatsächlich gefressenen und der für eine Kuh erwarteten Futtermenge. Die erwartete Aufnahme wird anhand des Energiebedarfs geschätzt. Dabei zählen Körpergewicht, Gewichtsveränderungen und die Energie, die in der Milch steckt. Ein negativer RFI-Wert bedeutet, dass eine Kuh weniger Futter als erwartet aufgenommen hat; ein positiver Wert steht für eine höhere Aufnahme als erwartet.

RFI ist vor allem für Auswertungen mit verlässlichen Daten zur individuellen Futteraufnahme geeignet. Eine einzelne Messung im Betrieb ersetzt keine vollständige Bewertung: Laut Forschung messen RFI-Werte aus verschiedenen Abschnitten der Laktation im Wesentlichen unterschiedliche Eigenschaften. Ein konkreter Messplan lässt sich aus dieser Untersuchung nicht für jeden Betrieb ableiten. Details zur Messung und zu den Einflussfaktoren beschreibt die Untersuchung zur RFI-Schätzung30372-8/fulltext).

Auch die Aufzucht kann Hinweise für die spätere Effizienz geben. In derselben Untersuchung fraßen die effizientesten Färsen während der untersuchten Phase der Laktation weniger Energie als die ineffizientesten, ohne dass sich Milchleistung, tägliche Zunahme oder Körpergewicht unterschieden. Das stützt den möglichen Nutzen der RFI für die Zuchtbewertung, sagt aber nicht voraus, wie jede einzelne Färse später abschneidet. Eine weitere Studie beziffert die Erblichkeit der RFI, also den Anteil der Unterschiede zwischen Tieren, der mit genetischen Unterschieden zusammenhängt, auf 0,16 bis 0,22. Die Wiederholbarkeit innerhalb einer Laktation, also wie ähnlich wiederholte Messungen ausfallen, liegt bei 0,51 bis 0,57; die Auswertung nach Laktationsnummer00008-X/fulltext) zeigt zugleich, warum solche Vergleiche sauber nach Gruppen aufgebaut werden müssen.

Ration und Fütterung gleichmäßiger gestalten

Eine Ration sollte zur Herde und zum Fütterungsziel passen. Mehr Kraftfutter ist keine pauschale Lösung für bessere Futtereffizienz: Die Höhe des Kraftfuttereinsatzes beeinflusst die Nährstoffeffizienz und die Umweltwirkung, und zugekauftes Kraftfutter bringt Nährstoffe in den Betrieb. Das Projekt MilchEffizienz zu Fütterung und Umweltwirkung betrachtet deshalb neben der Leistung auch Nährstoffflüsse und Wirtschaftlichkeit. Für die Praxis heißt das: Rationen anhand der tatsächlich eingesetzten Futtermittel und des Betriebsziels prüfen, statt den Kraftfutteranteil ohne Berechnung anzuheben.

Regelmäßige Futteranalysen und sorgfältiges Mischen helfen, Schwankungen in der Ration zu erkennen und zu begrenzen. Ein Fachbeitrag zu Rindern in der Mast empfiehlt außerdem mindestens zweimal tägliches Füttern zu gleichbleibenden Zeiten, um starke Schwankungen der Futteraufnahme und das Risiko einer subakuten Pansenazidose zu vermeiden. Diese Stoffwechselstörung entsteht, wenn der Säurehaushalt im Pansen über längere Zeit aus dem Gleichgewicht gerät. Da sich die Empfehlung auf Masttiere bezieht, sollten Milchviehbetriebe sie an Fütterungssystem und Herde anpassen. Der Beitrag zu Futtermanagement und Effizienz beschreibt als mögliche Folgen der Pansenstörung sinkende Futteraufnahme und Leistung sowie Lahmheit.

Auch die Grundfutterwahl beeinflusst, welche Nährstoffe in Milch und Fleisch gelangen. Eine grundfutterreiche Fütterung kann den Gehalt an ernährungsphysiologisch wertvollen ungesättigten Fettsäuren wie CLA und Omega-3 erhöhen. Die Entscheidung für eine Ration sollte deshalb nicht allein an Milchmenge je Kilogramm Futter hängen, sondern auch an Nährstoffversorgung, Produktqualität und betrieblichen Zielen.

Die überarbeiteten Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) enthalten neue Ansätze zur Energie- und Proteinversorgung. Betriebe sollten prüfen, ob ihre Rationsberechnungen bereits auf den aktuellen Grundlagen beruhen; konkrete Anpassungen hängen von den verwendeten Futtermitteln und den berechneten Bedarfen ab. Eine Einordnung der neuen GfE-Grundlagen bietet die DLG.

Veränderungen im Betrieb richtig prüfen

Wer eine Fütterungsmaßnahme bewertet, sollte Kennzahl, Zeitraum und Vergleichsgruppe beibehalten. Ändert sich gleichzeitig die Gruppenzusammensetzung, die Milchleistung oder das Laktationsstadium, lässt sich eine Veränderung der Milch-Futter-Relation nicht eindeutig der Ration zuschreiben. Deshalb zuerst Futteraufnahme und Milchmenge für dieselbe Gruppe konsistent erfassen und anschließend prüfen, ob sich weitere Faktoren verändert haben.

Für eine genaue RFI-Berechnung braucht der Betrieb Daten zur Futteraufnahme einzelner Kühe. Eine Gruppenbilanz aus vorgelegtem Futter und Resten liefert nur einen Mittelwert und zeigt nicht, welche Kuh besonders effizient ist. Ohne Einzelmessung eignet sich RFI daher nicht als einfacher Stallkennwert. Für den Alltag bleibt die Milchmenge je Trockenmasseaufnahme ein nützlicher Betriebsvergleich, wenn Bezugsgröße und Bedingungen gleich bleiben.

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