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Kolostrum für Kälber: So zählen Qualität, Brix-Wert und erste Tränke

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Inhalt4 Abschnitte
  1. Was ein guter Brix-Wert über Kolostrum aussagt
  2. Warum die erste Tränke früh erfolgen muss
  3. Kolostrum sauber gewinnen und passend lagern
  4. Später prüfen, ob das Kalb genügend Abwehrstoffe aufgenommen hat

Ein Kalb bekommt über die Plazenta kaum Abwehrstoffe von seiner Mutter. Es ist deshalb nach der Geburt auf Kolostrum angewiesen: die erste Milch der Kuh, auch Biestmilch genannt. Sie liefert vor allem Immunglobulin G, kurz IgG. Diese Eiweiße helfen dem Kalb, Krankheitserreger abzuwehren.

Das Kolostrum muss genügend IgG enthalten, das Kalb muss ausreichend davon trinken und die erste Tränke früh bekommen. Mit dem Brix-Wert lässt sich die Qualität der Biestmilch auf dem Hof einschätzen. Er zeigt, wie viele gelöste Stoffe die Milch enthält, und gibt damit einen brauchbaren Hinweis auf den IgG-Gehalt. Den IgG-Gehalt misst er jedoch nicht direkt.

Was ein guter Brix-Wert über Kolostrum aussagt

Für Kolostrum gilt ein Brix-Wert von mindestens 22 Prozent als gängiger Richtwert für eine gute Qualität. Ein tragbares Handrefraktometer bestimmt den Brix-Wert anhand der Lichtbrechung des Kolostrums. Weil Kolostrum mit mehr gelösten Bestandteilen meist auch mehr IgG enthält, lässt sich der Brix-Wert als praktische Schätzung nutzen. Die Genauigkeit schwankt allerdings zwischen Proben und Messungen; der Wert ersetzt keine direkte Laborbestimmung des IgG-Gehalts. Eine systematische Übersichtsarbeit zur Kolostrumversorgung beschreibt diese Beziehung und den Richtwert.

Die Schwelle von 22 Prozent gilt für Kolostrum. Für Blutserum, also den flüssigen Anteil des Blutes eines Kalbes, liegen die vorgeschlagenen Brix-Grenzwerte deutlich niedriger. Wer den Grenzwert für Blutserum auf Biestmilch anwendet, bewertet die Probe falsch.

Als weiterer Richtwert gelten mindestens 50 Gramm IgG pro Liter Kolostrum. Ein Brix-Gerät zeigt diesen Wert nicht direkt an. Auch die Sauberkeit zählt. Häufig genannte Empfehlungen setzen die Gesamtkeimzahl bei höchstens 100.000 koloniebildenden Einheiten pro Milliliter an. Das ist die Zahl der Keime, die sich vermehren können. Für Coliforme, eine Gruppe von Bakterien, gilt ein Richtwert von höchstens 10.000. Diese Grenzwerte sagen jedoch nicht zuverlässig voraus, ob ein Kalb später genügend Abwehrstoffe im Blut hat. Die Untersuchung zu Milchviehbetrieben in Québec weist auf diese Einschränkung hin.

Praktisch heißt das: Eine Probe mit mindestens 22 Prozent Brix eignet sich als gute Grundlage für die erste Tränke. Liegt der Wert darunter, sollte hochwertigeres Kolostrum aus dem Vorrat genutzt werden, sofern es verfügbar ist. Die erste Milch älterer Kühe enthält im Allgemeinen mehr IgG als die von Kühen, die zum ersten Mal gekalbt haben. Deshalb lohnt es sich, Kolostrum nach der Messung zu kennzeichnen und geeignete Portionen für Kälber mit Bedarf zurückzuhalten.

Warum die erste Tränke früh erfolgen muss

Nach der Geburt nimmt der Darm des Kalbes IgG auf. Mit der Zeit kann er immer weniger davon aufnehmen. Eine erste Tränke innerhalb von ein bis zwei Stunden nach der Geburt nutzt das Zeitfenster besonders gut; langes Warten verringert die aufgenommene Menge. Die Forschung zur passiven Immunität bei Kälbern hebt deshalb frühes Tränken als zentrale Maßnahme hervor.

Eine erste Menge von etwa 8,5 bis 10 Prozent des Körpergewichts entspricht bei vielen Kälbern ungefähr drei bis vier Litern. Eine zweite Tränke innerhalb von acht bis zwölf Stunden liefert weiteres Kolostrum. Die passende Menge richtet sich nach dem Körpergewicht: Bei einem leichteren Kalb entsprechen zehn Prozent weniger Volumen als bei einem schwereren.

Mehr ist nicht automatisch besser. In einer Untersuchung auf einem kommerziellen Milchviehbetrieb stieg der IgG-Gehalt im Blut durch eine größere Menge, etwa zwölf Prozent des Körpergewichts, nur wenig weiter an. Größere Mengen können zudem mit Unwohlsein einhergehen. Die Untersuchung betrachtete gemischtes Kolostrum von einem einzelnen Betrieb. Daraus lässt sich keine Obergrenze ableiten, die für alle Betriebe gilt. Richten Sie die erste Tränke nach dem Körpergewicht des Kalbes aus und planen Sie bald eine zweite Tränke ein. Geben Sie nicht eine sehr große Menge auf einmal.

Kolostrum sauber gewinnen und passend lagern

Keime können die Biestmilch verunreinigen und ihre Qualität mindern. Saubere Euter, Hände, Gefäße und Tränkeausrüstung senken dieses Risiko. Kolostrum, das nicht sofort verfüttert wird, sollte rasch gekühlt oder eingefroren werden, damit sich Keime nicht vermehren.

Wird Kolostrum 60 Minuten lang kontrolliert auf 60 Grad Celsius erhitzt, sinkt die Keimzahl. Laut Übersichtsarbeit bleiben dabei die Abwehrstoffe erhalten. Auch sachgerechtes Einfrieren bewahrt sie. Beim Auftauen sollte die Milch schonend erwärmt werden, damit die Behandlung die empfindlichen Eiweiße nicht unnötig belastet.

Später prüfen, ob das Kalb genügend Abwehrstoffe aufgenommen hat

Der Brix-Wert der Biestmilch beschreibt die Qualität der Tränke. Er zeigt nicht, wie viel IgG tatsächlich im Blut des Kalbes angekommen ist. Dafür lässt sich später eine Blutprobe untersuchen. Von ausreichender passiver Immunität spricht man, wenn das Kalb genügend mütterliche Abwehrstoffe über das Kolostrum aufgenommen hat. Als Richtwert gilt eine IgG-Konzentration im Blutserum von mindestens 10 Gramm pro Liter.

Ein Serum-Brix-Wert ab etwa 8,4 Prozent wird als Feldrichtwert vorgeschlagen; in einer Übersichtsarbeit liegt der genannte Bereich bei 8,1 bis 8,5 Prozent. Auch der Gesamtproteingehalt im Serum zeigt, wie viel Eiweiß im Blut ist, und kann als Hinweis dienen. Häufig verwendete Richtwerte liegen bei 5,0 bis 5,5 Gramm pro Deziliter. Diese Messwerte sind praktische Näherungen und ersetzen keine direkte IgG-Bestimmung.

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