Roggen kann Weizen und andere Getreide in der Schweineration teilweise ersetzen. Sein Eiweißgehalt und die Verdaulichkeit einzelner Aminosäuren fallen jedoch niedriger aus als bei Weizen. Außerdem enthält Roggen unverdauliche Ballaststoffe, die bei jungen Schweinen die Futterverwertung belasten können. Für die Fütterung zählen deshalb sowohl die Zusammensetzung des Korns als auch die Qualität der Partie.
Wer Roggen einsetzt, sollte seinen Nährstoffgehalt prüfen und den Anteil an Alter und Leistung der Tiere anpassen. Besonders wichtig ist die Kontrolle auf Mutterkorn, eine giftige Pilzform im Getreide. Die folgenden Abschnitte erklären, welche Eigenschaften die Ration beeinflussen und worauf beim Einkauf und Lagern zu achten ist.
Eiweiß und Aminosäuren fallen niedriger aus als bei Weizen
Roggen liefert Energie, aber weniger Eiweiß als Weizen. Für die Ernte 2019 nennt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen 8,3 Prozent Rohprotein in Roggen gegenüber 11,1 Prozent in Weizen. Der Rohproteingehalt beschreibt den gesamten Eiweißanteil; für das Wachstum der Schweine kommt es zusätzlich auf die einzelnen Aminosäuren und deren Verdaulichkeit an.
Lysin ist eine Aminosäure, die Schweine für den Aufbau von Körpergewebe benötigen. Roggen und Weizen enthielten in den angeführten Vergleichsdaten jeweils 0,31 Prozent Lysin. Das Lysin aus Roggen war jedoch schlechter verdaulich. Die Auswertungen dienen als Orientierung, sind aber keine Garantie für jede Partie. Die Vergleichsdaten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigen, warum die Ration nicht allein nach dem Rohproteingehalt berechnet werden sollte.
In der Praxis heißt das: Wird Roggen in größerem Umfang eingesetzt, muss die Rationsberechnung den Bedarf an verdaulichem Lysin und weiteren Aminosäuren berücksichtigen. Ob eine Ergänzung nötig ist, hängt von der gesamten Ration und der Tiergruppe ab.
Ballaststoffe wirken im Darm unterschiedlich
Roggen enthält Nicht-Stärke-Polysaccharide, kurz NSP. Das sind pflanzliche Kohlenhydrate, die Schweine im Dünndarm nicht selbst verdauen können. Sie senken die Energiedichte des Futters und erhöhen die Zähflüssigkeit des Darminhalts. Dadurch wird der Futterbrei langsamer weitertransportiert. Junge Schweine reagieren auf diese Effekte stärker als ältere Tiere.
NSP haben zugleich erwünschte Wirkungen. Bestimmte Bestandteile des Roggens, darunter Fruktane und Arabinoxylane, werden im Dickdarm von Bakterien abgebaut. Dabei entsteht unter anderem Butyrat, eine Fettsäure, die den Darmzellen als Energiequelle dient. Die Informationen zu Roggen in der Schweinemast beschreiben außerdem Hinweise auf positive Effekte für Darmgesundheit und Verhalten.
Auch bei tragenden Sauen kann die stärkere Füllwirkung des Roggens von Nutzen sein: Sie fördert das Sättigungsgefühl und kann das Verhalten beruhigen. Bei jungen Tieren wiegt dagegen die mögliche Belastung durch die NSP stärker. Futterenzyme können deren Wirkung abmildern; ob sie passen, sollte anhand der Ration und des eingesetzten Produkts geprüft werden.
Mutterkorn und Mykotoxine bei jeder Partie beachten
Mutterkorn sind dunkle, längliche Pilzgebilde, die anstelle einzelner Getreidekörner wachsen. Sie enthalten giftige Stoffe und gehören deshalb zu den zentralen Risiken bei Roggen. Weniger anfällige Sorten und moderne Ernte- und Reinigungstechnik senken das Risiko. Trotzdem können einzelne Partien belastet sein.
Auch die Kontrolle auf Schimmelpilzgifte, sogenannte Mykotoxine, gehört zur Qualitätsbeurteilung. Roggen ist laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Vergleich zu anderen Getreidearten weniger häufig mit Fusarium-Toxinen belastet. Das bedeutet nicht, dass jede Roggenpartie frei davon ist. Sichtbare Auffälligkeiten, bekannte Probleme bei der Ernte oder Lagerung und Zweifel an der Partie sind Gründe, eine Probe untersuchen zu lassen.
Für den Betrieb ist eine repräsentative Probe entscheidend: Sie sollte die angelieferte oder eingelagerte Partie möglichst gut abbilden. Eine Laboranalyse des Nährstoffgehalts hilft, die Ration passend zu berechnen. Bei Verdacht auf Belastungen sollte zusätzlich gezielt auf Mutterkorn beziehungsweise relevante Mykotoxine geprüft werden. Geruch, Farbe und sichtbare Verunreinigungen geben erste Hinweise, ersetzen aber keine Untersuchung.
Roggen besitzt außerdem eine hohe Phytaseaktivität. Phytase ist ein Enzym, das Phosphor aus pflanzlichen Verbindungen freisetzen kann. Das ist für die Bewertung des Phosphors in der Ration relevant. Der konkrete Futterwert hängt dennoch von der gesamten Zusammensetzung ab.
Roggenanteil an Tiergruppe und Ration anpassen
Die DLG-Fütterungsempfehlungen aus dem Jahr 2006 nennen für Mastschweine ab 60 kg Lebendgewicht bis zu 50 Prozent Roggen im Futter und für Sauen bis zu 25 Prozent. Diese Angaben sind Orientierungswerte aus einer älteren Empfehlung, keine pauschale Vorgabe für jede Ration. Gerade bei jungen Schweinen sollten die NSP und die geringere Aminosäurenverdaulichkeit in die Entscheidung einfließen. Die Angaben zu Einsatzbereichen und Fütterung nennen ebenfalls bis zu 50 Prozent für die Mast.
Versuche zeigen, dass höhere Anteile unter passenden Bedingungen funktionieren können. In einem Versuch mit roggenreichen Rationen, die 40 bis 70 Prozent Roggen enthielten, waren die täglichen Zunahmen höher als in der Vergleichsgruppe; die Futterverwertung blieb gleich. Der Schlachtkörperanteil lag mit 75,8 Prozent unter den 76,5 Prozent der Vergleichsgruppe. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs betrugen 78,91 Euro statt 81,48 Euro. Die Ergebnisse stammen aus diesem Versuch; vor einer Übertragung auf andere Fütterungen ist eine Prüfung nötig.
Roggen kann zudem wirtschaftlich interessant sein, wenn sein Einkaufspreis unter dem anderer Getreide liegt. Bei der wirtschaftlichen Bewertung sind auch Nährstoffgehalt und Aminosäurenversorgung des Roggens zu berücksichtigen. Tieralter und Qualität der Partie spielen ebenfalls eine Rolle.
