Wer Heu oder Grassilage einkauft oder verfüttert, muss die Zahlen auf dem Laborbericht richtig einordnen. Sie zeigen, wie viel Wasser das Futter enthält, wie viel Rohprotein und Faser darin stecken und ob die Silage sauber vergoren ist. Berücksichtigen Sie auch die Futterart und die Tiergruppe, um die Werte richtig einzuordnen.
Die Trockenmasse gibt an, welcher Anteil des Futters nach dem Entfernen des Wassers übrig bleibt. Rohprotein fasst stickstoffhaltige Bestandteile in einem Wert zusammen. NDF ist ein Maß für Pflanzenfasern, die aus Zellwandbestandteilen bestehen. Die Gärqualität beschreibt, wie die Mikroorganismen die Silage während der Lagerung vergoren haben. Achten Sie darauf, ob die Werte für das frische Futter (Frischmasse) oder für den wasserfreien Anteil (Trockenmasse) gelten.
Trockenmasse und Bezugsgröße zuerst prüfen
Ein Kilogramm Frischfutter besteht aus Wasser und Trockenmasse. Der Trockenmasseanteil zeigt, wie viel davon nach Abzug des Wassers verbleibt. Mit dem Trockenmasseanteil können Sie einen Rohproteinwert auf Trockenmassebasis auf die Frischmasse umrechnen.
Die Umrechnung lautet: Wert auf Frischmassebasis = Wert auf Trockenmassebasis × Trockenmasseanteil. Für die Umrechnung von der Frischmasse auf die Trockenmasse teilen Sie den Frischmassewert durch den Trockenmasseanteil. Dabei wird der Prozentwert als Dezimalzahl eingesetzt.
Ob ein TM-Wert günstig ist, hängt vom Futtermittel ab. Die LfL veröffentlicht Orientierungswerte für verschiedene Grobfuttermittel. Ein Wert für Grassilage lässt sich nicht ohne Weiteres auf Maissilage oder Heu übertragen. Prüfen Sie auf dem Laborbericht zuerst die Bezugsbasis, bevor Sie zwei Futtermittel vergleichen.
Ein einfaches Rechenbeispiel: 150 g Rohprotein je kg TM entsprechen bei 35 % TM 52,5 g je kg Frischmasse. Gerechnet wird 150 × 0,35. Der Artikel zu Frischmasse und Trockenmasse erklärt diese Umrechnung in beide Richtungen.
Rohprotein beschreibt den Stickstoffgehalt, nicht allein die Futterqualität
Rohprotein fasst stickstoffhaltige Bestandteile zu einem Kennwert zusammen. Ein hoher Wert sagt daher zunächst, dass das Futter viel Stickstoff enthält. Er beantwortet nicht allein, wie gut das Futter insgesamt ist oder wie viel davon das Tier nutzen kann.
Wie viel Protein nutzbar ist, hängt auch vom Abbau und der Verdauung ab. Die Rationsplanung für Wiederkäuer benötigt deshalb mehr Angaben als den Rohproteingehalt. Auf aktuellen Berichten können zusätzliche Kenngrößen zur Protein- und Energieversorgung stehen; ihre Bedeutung und Berechnungsgrundlage müssen zum verwendeten Bewertungssystem passen.
Bewerten Sie den Rohproteingehalt zusammen mit den übrigen Werten: mit der Trockenmasse und dem Fasergehalt sowie bei Silage mit den Gärparametern. Welche Ration passt, hängt auch von den Tieren und den übrigen Futtermitteln ab.
Energie und Rohasche
Der Energiegehalt steht meist als MJ NEL oder MJ ME je kg TM auf dem Bericht. Er wird aus Analysewerten und Verdaulichkeitsangaben berechnet. Welches Bewertungssystem verwendet wurde, muss zum Vergleichswert passen. Alte und neue Energieangaben lassen sich nicht ohne Prüfung miteinander vergleichen.
Rohasche ist der mineralische Rückstand nach dem Veraschen der Probe. Dazu gehören die Mineralstoffe der Pflanze und mögliche Verunreinigungen. Ein hoher Rohaschegehalt bei Grassilage oder Heu kann auf anhaftende Erde hinweisen. Die LfL erklärt Rohasche und die Energieangaben in ihren Orientierungswerten für Grobfuttermittel.
NDF zeigt, wie viel Zellwandfaser das Futter enthält
NDF steht für Neutral-Detergenzien-Faser. Dazu gehören Hemicellulose, Cellulose und Lignin. ADF umfasst Cellulose und Lignin. Diese chemisch bestimmten Faserfraktionen beschreiben unterschiedliche Teile der Pflanzenzellwand. Zusätze wie „om“ zeigen, dass der Wert um den Ascheanteil korrigiert wurde. Die LfL erläutert die Begriffe ADFom und aNDFom.
Der NDF-Gehalt ist für die Einordnung des Futters wichtig. Die Wirkung in der Ration hängt aber auch von der Verdaulichkeit und der physikalischen Beschaffenheit ab. Lange Halme und fein zerkleinertes Material wirken nicht gleich, nur weil der Laborbericht denselben Fasergehalt ausweist. Bewerten Sie deshalb neben den Analysewerten auch die Struktur und die gesamte Ration.
Gärqualität verrät, ob die Silage kontrolliert vergoren ist
Während der Silierung wandeln Mikroorganismen unter anderem Zucker in Säuren um. Eine erfolgreiche Konservierung begrenzt den Verderb. Der pH-Wert beschreibt, wie sauer die Silage ist; seine Einordnung hängt auch vom Trockenmassegehalt ab.
Milchsäure, Essigsäure und Buttersäure beantworten unterschiedliche Fragen zum Gärverlauf. Buttersäure kann auf eine Fehlgärung hinweisen. Aus einem einzelnen pH-Wert lässt sich weder die gesamte Qualität noch die Stabilität nach dem Öffnen ablesen. Die LfL erläutert die einzelnen Gärparameter in ihren Orientierungswerten.
Falls der Bericht eine Gärqualitätsnote enthält, prüfen Sie den verwendeten Bewertungsschlüssel. Die Note fasst bestimmte Laborwerte zusammen. Sie ersetzt weder die Nährstoffbewertung noch die Kontrolle des geöffneten Silos.
Werte gemeinsam lesen und Proben richtig nehmen
Beginnen Sie mit der Trockenmasse und der Bezugsbasis. Danach ordnen Sie Rohprotein und NDF ein. Rohprotein zeigt den Stickstoffgehalt, NDF den Anteil an Zellwandfasern. Beide Werte werden erst im Zusammenhang aussagekräftig. Bei Silage kommen pH-Wert und Gärsäuren hinzu. Wenn der pH-Wert auffällig ist oder der Buttersäuregehalt hoch ausfällt, prüfen Sie die Gärqualität genauer. Das gilt auch, wenn Rohprotein und NDF passend erscheinen.
Eine Analyse ist nur so aussagekräftig wie die eingesandte Probe. Die LUFA NRW erklärt die Probenahme und Analytik bei Grassilage. Fragen Sie Ihr Labor nach der geeigneten Entnahmemethode für das jeweilige Futtermittel und die Partie. Eine einzelne auffällige Stelle beschreibt nicht automatisch den gesamten Vorrat.
Vergleichen Sie auffällige Werte mit den übrigen Futtermitteln und berücksichtigen Sie die Tiergruppe. Für eine vollständige Ration werden außerdem Futteraufnahme und Leistung der Tiere benötigt. Die Analyse einer Partie allein ergibt noch keinen fertigen Fütterungsplan.
Mehr zur jeweiligen Futterart steht in den Artikeln zu Grassilage, Maissilage und Silagequalität.
