Wer Rinder, Schweine oder Geflügel hält, muss Investitionen in den Stall langfristig planen. Der Tierkompass 2025 zeigt, worauf Verbraucher beim Kauf von Fleisch, Milch und Eiern achten. Vielen sind Tierwohl und Herkunft wichtig. Deutlich weniger Befragte erklärten, dass sie für bessere Haltungsbedingungen mehr bezahlen würden.
Das Forum Moderne Landwirtschaft veröffentlichte die Ergebnisse einer Onlinebefragung von 2.500 Menschen des Meinungsforschungsunternehmens Civey. Vorgestellt wurden sie am 6. November 2025. Der Tierkompass Landwirtschaft 2025 zeigt, was die Befragten denken. Er erfasst aber nicht, was sie tatsächlich einkaufen.
Tierwohl und Herkunft zählen beim Einkauf
72 Prozent der Befragten bezeichneten Tierwohl beim Kauf von Fleisch, Milch oder Eiern als wichtig oder sehr wichtig. Die Herkunft der Produkte war für 65 Prozent wichtig oder sehr wichtig; 33 Prozent stuften sie als unwichtig ein. Rund die Hälfte gab an, sich über Haltungsbedingungen zu informieren, etwa über Kennzeichnungen, Medienberichte oder regionale Anbieter. Die Civey-Ergebnisse zu Haltung und Herkunft zeigen, dass viele Befragte Informationen suchen. Sie zeigen aber nicht, dass alle gleich einkaufen.
„Tierwohl“ umfasst in der Befragung die Gesundheit der Tiere, die Möglichkeit zu natürlichem Verhalten und ihr Wohlbefinden in der Umgebung. Der Begriff ist in Deutschland rechtlich nicht eindeutig definiert. Für einen Milchviehbetrieb heißt das: Ein Hinweis auf Auslauf oder Weidehaltung beschreibt nur einen Teil der Bedingungen. Um zu beurteilen, wie es den Tieren geht, sind auch Beobachtungen am Tier, etwa Lahmheiten oder Verletzungen wichtig.
Bei einer offenen Frage nach gewünschten Veränderungen in der Tierhaltung nannten 40 Prozent bessere Haltungsformen und 22 Prozent einen stärkeren Fokus auf Tierwohl. Weitere Wünsche betrafen mehr Transparenz bei der Vermarktung, weniger Bürokratie. Genannt wurden auch faire Preise und eine bessere wirtschaftliche Absicherung landwirtschaftlicher Betriebe. Die Zahlen zeigen, welche Veränderungen die Befragten nannten. Sie zeigen nicht, welche davon sie selbst wählen würden, wenn sie dafür einen bestimmten Preis zahlen müssten.
Mehrzahlungsbereitschaft bleibt begrenzt
33 Prozent erklärten, sie würden für Produkte aus besonders tierfreundlicher Haltung bis zu 10 Prozent mehr bezahlen. 38 Prozent sagten, sie könnten oder wollten keinen Aufpreis zahlen. Aus diesen beiden Angaben geht nicht hervor, wie viel die übrigen Befragten zahlen würden. Die Antworten enthalten Angaben zur Zahlungsbereitschaft, aber keine tatsächlichen Einkäufe. Wer sagt, dass er mehr bezahlen würde, kauft deshalb nicht unbedingt tatsächlich ein teureres Produkt.
Für landwirtschaftliche Betriebe ist der Unterschied zwischen geäußertem Wunsch und tatsächlichem Kauf wichtig. Investitionen in mehr Platz, Auslauf oder einen umgebauten Stall müssen sich durch verlässliche Einnahmen oder Fördermittel rechnen. Die Umfrage zeigt weder, welcher Preis dafür möglich ist, noch ob Verbraucher die Mehrkosten dauerhaft tragen. Vor einem Umbau sollte der Betrieb klären, welche Haltungsbedingungen die Abnehmer verlangen, wie lange eine Preis- oder Abnahmevereinbarung gilt und wie sich die Investition finanzieren lässt.
Andere Befragungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen, lassen sich aber nicht direkt mit dem Tierkompass vergleichen. Im staatlich beauftragten Ernährungsreport 2025 hielten 77 Prozent die Haltungsform und die Herkunft aus der Region bei der Auswahl von Lebensmitteln für wichtig. Der Report basiert auf einer eigenen Forsa-Befragung. Sie untersuchte eine andere Altersgruppe und nutzte eine andere Methode als die Civey-Umfrage. Der Ernährungsreport 2025 bestätigt das Interesse an Haltungsform und Regionalität. Er zeigt aber nicht, wie viele Produkte aus höheren Haltungsstufen Verbraucher kaufen.
Kennzeichnungen erklären Bedingungen, nicht den Zustand jedes Tieres
Im Handel gibt es verschiedene Kennzeichnungen für die Tierhaltung. Die freiwillige Haltungsform-Kennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels und die staatliche Tierhaltungskennzeichnung sind zwei getrennte Systeme. Im fünfstufigen Haltungsform-System reichen die Stufen von „Stall“ bis „Bio“. Stufe 1 ist die niedrigste. Daneben gibt es eine vierstufige Darstellung. Auf dem Etikett sollte stehen, welches System gemeint ist und welche Haltungsbedingung die jeweilige Stufe beschreibt.
Eine höhere Haltungsstufe beschreibt vor allem die Bedingungen, unter denen Tiere leben. Sie sagt für sich allein weder deren Gesundheitszustand noch, wie wohl sie sich fühlen. Kennzeichnungen und Kontrollen der Tiere haben unterschiedliche Aufgaben: Angaben zu Stall, Auslauf und Herkunft helfen beim Einkauf. Regelmäßige Beobachtungen zeigen, ob die Haltung im Alltag funktioniert. Die Einordnung der Kennzeichnungen und des Tierwohlbegriffs erklärt die Unterschiede.
Umbauten brauchen Absatz und verlässliche Rahmenbedingungen
Verbraucher wünschen sich bessere Haltungsbedingungen. Für einen Umbau brauchen Betriebe Planungssicherheit und eine Finanzierung, die langfristig tragfähig ist. Eine Befragung von rund 750 Landwirten für das Agrarbarometer der Rentenbank zeigt Unterschiede zwischen Tierarten: 46 Prozent der Rinder wurden demnach in den Haltungsformen 3 und 4 gehalten. Bei Schweinen waren es 13 Prozent. 13 Prozent der befragten Betriebe planten, innerhalb von zwei bis drei Jahren in eine höhere Haltungsform zu wechseln. Als Hindernisse beim Umbau von Schweineställen nannten die Befragten lange Genehmigungsverfahren und Anforderungen des Immissionsschutzes. Die Ergebnisse zur Umstellung landwirtschaftlicher Betriebe stammen aus einer eigenen Befragung von Landwirten. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht mit den Verbraucherangaben verrechnen.
Vor einem Umbau sollte ein Betrieb drei Fragen klären: Welche baulichen Anforderungen gelten für die gewünschte Haltungsstufe? Gibt es einen Abnehmer, der die zusätzlichen Leistungen verbindlich bezahlt? Reichen Genehmigungen, Fördermittel und Finanzierung aus, damit sich die Investition langfristig rechnet? Die Verbraucherbefragung beantwortet diese Fragen nicht. Sie zeigt aber, dass klare Angaben zu Haltung und Herkunft für den Verkauf wichtig sind.
