Bei der Fütterung von Rindern, Schweinen und Kälbern müssen Betriebe den Bedarf der Tiere, die Kosten und die ausgeschiedenen Nährstoffe gemeinsam beachten. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) entwickelt dafür Empfehlungen. „Nachhaltig“ bedeutet in diesem Zusammenhang, die Fütterung so auszurichten, dass Tiergesundheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltbelastungen gemeinsam berücksichtigt werden.
Eine Ration, also die tägliche Futterzusammenstellung, passt nicht für alle Betriebe und Tierarten. Die aktuellen DLG-Arbeiten behandeln verschiedene Themen: Bei Schweinen geht es unter anderem um eine abgestufte Verringerung von Stickstoff und Phosphor, bei Milchkühen um neue Erkenntnisse zur Proteinbewertung und Rationsberechnung. Betriebe sollten die Empfehlungen daher passend auf die jeweilige Tiergruppe und den eigenen Betrieb anwenden.
Bei Schweinen Nährstoffausscheidungen mitplanen
Stickstoff (N) und Phosphor (P) sind wichtige Nährstoffe im Futter. Nährstoffe, die das Tier nicht nutzt, scheidet es teilweise aus. Sie gelangen dann mit Mist oder Gülle auf die Felder. Eine bedarfsgerechte Ration soll deshalb die Versorgung sichern und vermeidbare Überschüsse begrenzen.
Ein Bericht über die überarbeitete DLG-Empfehlung nennt vier Fütterungsverfahren: „Standard“, „N-/P-reduziert“, „stark N-/P-reduziert“ und „sehr stark N-/P-reduziert“. Die genauen Grenzwerte der Stufen sind dort nicht angegeben. Betriebe sollten daher keine eigene Reduktionshöhe aus den Bezeichnungen ableiten, sondern die DLG-Empfehlung zur Schweinefütterung samt eine passende Rationsberechnung heranziehen. Die DLG-Arbeitsgruppe führt außerdem standardisierte Nährstoffausscheidungen und Nährstoffbilanzen als Themen ihrer Arbeit auf.
Betriebe sollten deshalb das Fütterungsverfahren und die Nährstoffbilanz gemeinsam prüfen. Besonders bei knapper Fläche hilft eine belastbare Schätzung der Ausscheidungen dabei, die Nährstoffversorgung der Pflanzen und den Düngebedarf besser zu planen. Die genannten Stufen geben eine Orientierung, ersetzen aber keine Berechnung für die konkrete Fütterung.
Bei Milchkühen Rationen mit aktuellen Futterwerten berechnen
Bei Milchkühen hat die DLG Merkblätter zur Energiekonzentration im Futter und zur Proteinbewertung veröffentlicht. Sie ergänzte ihr Merkblatt 504 zur Bewertung von Eiweiß im Futter und zur Berechnung der Ration anhand neuer Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie. Diese behandeln besonders, wie Wiederkäuer Stickstoff im Körper umsetzen. Die DLG-Mitteilung zu den Merkblättern verlinkt die frei verfügbaren Veröffentlichungen.
Für die Rationsplanung müssen Betriebe die Eigenschaften des tatsächlich eingesetzten Futters zugrunde legen. Die Energiekonzentration beschreibt, wie viel nutzbare Energie ein Kilogramm Futter liefert. Laut DLG lässt sie sich nur bestimmen, wenn die Verdaulichkeit des Futters oder seiner Nährstoffe gemessen wird; dafür stehen wissenschaftlich geprüfte Rechenverfahren zur Verfügung. Ein Tabellenwert ist daher ein Orientierungswert für das beschriebene Futter, keine Analyse des eigenen Silos.
Praktisch bedeutet das: Silagewerte regelmäßig untersuchen lassen und die Ration neu berechnen, wenn sich Futterpartie oder Leistung der Kühe deutlich ändern. Die DLG veröffentlicht auch Futterwerttabellen für Wiederkäuer 2025. Welche Werte und Änderungen die Ausgabe im Einzelnen enthält, lässt sich aus der verfügbaren Produktseite nicht ablesen. Für konkrete Berechnungen sollten deshalb die Tabellen selbst und aktuelle Futteranalysen maßgeblich sein.
Futtereffizienz messen, ohne Einzelwerte zu verallgemeinern
Die Futtereffizienz gibt an, wie viel Futter ein Tier für eine bestimmte Leistung braucht. Bei Milchkühen lässt sie sich beispielsweise als Kilogramm Trockenmasse je Kilogramm Milch ausdrücken. Trockenmasse ist der Futteranteil ohne Wasser und macht Futtermengen mit unterschiedlichem Feuchtegehalt vergleichbar.
Ein veröffentlichter Rechenfall veranschaulicht die Kennzahl: Eine Kuh mit 32 Kilogramm Milchleistung und 23 Kilogramm Trockenmasseaufnahme kommt auf rund 0,72 Kilogramm Trockenmasse je Kilogramm Milch. Das ist ein einzelnes Beispiel, kein Richtwert für die Herde. Der Wert wird erst aussagekräftig, wenn Betriebe ihn über die Zeit und zusammen mit Milchleistung, Futterkosten und Tiergesundheit betrachten.
Auch die Art des Futters kann für die Nachhaltigkeitsbewertung eine Rolle spielen. Eine Untersuchung von 52 Milchviehbetrieben in Deutschland, die ökologisch und konventionell wirtschafteten, fand bei grasbetonter Fütterung mit weniger Kraftfutter eine höhere Erzeugung für Menschen essbaren Proteins, obwohl die Milchmenge geringer war. Die Ergebnisse sind auf die untersuchten Betriebe bezogen und begründen keine allgemeine Vorgabe für jede Herde. Sie zeigen aber, warum neben der Milchleistung auch die Herkunft und Verwertung des Futters betrachtet werden sollten. Die Mitteilung der Universität Göttingen zur Untersuchung beschreibt zudem einen Zusammenhang zwischen hoher Netto-Proteinerzeugung, artenreicherem Grünland und geringeren Stickstoff- und Phosphorüberschüssen.
Für Kälber keine Ration aus allgemeinen Nachhaltigkeitszielen ableiten
Die beschriebenen DLG-Aktualisierungen betreffen vor allem Schweinefütterung sowie Energie- und Proteinbewertung bei Wiederkäuern. Daraus folgt keine pauschale Kälberration. Bei Kälbern muss die Fütterung zur jeweiligen Entwicklungsphase und zum Gesundheitszustand passen. Betriebe sollten dafür die Empfehlungen für die konkrete Alters- und Haltungsgruppe nutzen und bei Auffälligkeiten Beratung oder tierärztliche Unterstützung einbeziehen.
Die DLG-Arbeitsgruppe bearbeitet neben Nährstoffbilanzen auch die Fütterungshygiene und die Verwendung von Roggen. Ein weiteres Thema sind Qualitätsmerkmale von Futterfetten. Das sind relevante Prüfpunkte im Betrieb, aber die genannten Themen allein liefern noch keine konkreten Grenzwerte oder Handlungsanweisungen. Für Entscheidungen sollten deshalb die jeweils veröffentlichten Empfehlungen und die betrieblichen Daten zusammenkommen.
