Silage ist durch Milchsäuregärung haltbar gemachtes Futter, etwa aus Gras oder Mais. Buttersäure darin weist auf eine unerwünschte Gärung hin. Sie entsteht vor allem, wenn bestimmte Bakterien das Futter vergären, bevor sich genügend Säure gebildet hat, um die Silage zu stabilisieren. Dabei sinkt ihr Futterwert: Energie geht verloren und Eiweiß wird abgebaut.
Als Orientierung für Gras- und Maissilage nennt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) weniger als 3 g Buttersäure je kg Trockenmasse (TM). Die Trockenmasse ist der Futteranteil, der übrig bleibt, wenn man das Wasser abzieht. Ab 3 g/kg TM, also 0,3 Prozent der TM, bewertet die LfL den Buttersäuregehalt als deutlich erhöht. Der Wert ist ein Warnsignal. Er legt nicht pauschal fest, wie viel Silage in die Ration, also die Mischung der Futtermittel, gehört. Entscheidend sind die Analyse und die übrigen Futtermittel.
Wie Buttersäure in der Silage entsteht
Nach dem Einlagern sollen Milchsäurebakterien den Zucker im Futter vergären. Die dabei entstehende Milchsäure senkt den pH-Wert, also das Maß für den Säuregrad. Ein rascher und anhaltender pH-Abfall hemmt unerwünschte Bakterien.
Buttersäure bilden vor allem Clostridien. Diese Bakterien vermehren sich leichter, wenn sich die Silage nur langsam ansäuert. Besonders häufig begünstigen stark verschmutztes, nasses oder sehr feuchtes Futter sowie ein hoher pH-Wert die Fehlgärung. Auch ein niedriger Nitratgehalt im Grünfutter zählt laut Forschung der Humboldt-Universität zu Berlin zu den Risikofaktoren für eine Buttersäuregärung.
Clostridien können außerdem Milchsäure abbauen. Dadurch steigt der pH-Wert wieder, was die Bedingungen für weitere Clostridien verbessert. Es entsteht ein Kreislauf, der die Gärung weiter verschlechtert.
Was der Befund für die Fütterung bedeutet
Bei der Buttersäuregärung baut sich Eiweiß teils bis zu Ammoniak ab, und die Silage verliert Energie. Ein hoher Messwert weist deshalb sowohl auf eine Fehlgärung als auch auf einen geringeren Futterwert hin. Auch die Schmackhaftigkeit und die Futteraufnahme können sinken. Liegt der Wert bei 3 g/kg TM oder darüber, sollte die Silage nicht wie einwandfreies Futter eingeplant werden; die übrigen Analysewerte und die gesamte Ration gehören dann gemeinsam auf den Prüfstand. Stark buttersäurehaltige Silagen sollten nach der LfL-Fütterungsinformation nicht verfüttert werden. Eine feste Ausschlusskonzentration nennt die LfL dafür nicht; der Orientierungswert von 3 g/kg TM ist keine pauschale Ausschlussgrenze. Sichtbar verdorbene oder verschimmelte Futterpartien dürfen laut DLG nicht verfüttert werden. Mit dem Futter aufgenommene Clostridiensporen werden zudem über den Kot ausgeschieden und gelangen mit der Gülle wieder auf die Flächen.
Für eine Fütterungsentscheidung braucht es eine repräsentative Futterprobe und eine passende Laboruntersuchung. Die Gärsäurenuntersuchung muss zusätzlich zur Rohnährstoffanalyse beauftragt werden; sie erfasst unter anderem den Buttersäuregehalt je kg Trockenmasse. Die LfL erläutert Probenahme und Analysewerte. Der Buttersäurewert allein legt jedoch keine passende Einsatzmenge fest. Dafür müssen Landwirte auch die übrigen Futtermittel und die Tiere berücksichtigen, die sie füttern. Der Orientierungswert beschreibt die Gärqualität der Silage; eine allgemeine Fütterungsempfehlung für bestimmte Tiergruppen lässt sich daraus nicht ableiten.
Wie sich das Risiko bei der Ernte senken lässt
Sauberes, ausreichend angewelktes Futter säuert zuverlässiger. Für Grassilage nennt die Landwirtschaftskammer Kärnten einen Anwelkbereich von 30 bis 40 Prozent Trockenmasse, entsprechend 300 bis 400 g TM je kg Frischmasse. Stärkeres Anwelken verbessert die Konservierung nicht unbegrenzt: Über 45 Prozent TM verschlechtern sich laut Kammer die Gärbedingungen, und Qualitätsprobleme durch Hefen und Schimmel nehmen zu. Eine Schnitthöhe von mindestens 8 cm verringert den Eintrag von Erde; angestrebt wird ein Rohaschegehalt unter 100 g/kg TM. Rohasche bezeichnet den mineralischen Anteil der Futterprobe und kann bei erdiger Verschmutzung steigen.
Auch der Schnittzeitpunkt zählt: Wird das Gras geerntet, wenn die Leitgräser, an denen sich der Schnittzeitpunkt orientiert, Ähren und Rispen bilden, enthält es mehr löslichen Zucker als älteres, faserreicheres Futter. Dieser Zucker unterstützt die gewünschte Milchsäuregärung. Gülle sollte bodennah und möglichst rasch nach der Ernte ausgebracht werden, damit möglichst wenig Wirtschaftsdünger und Clostridiensporen am nächsten Aufwuchs haften. Zusammen mit einer schmutzarmen Ernte hilft das, Verschmutzung und Fehlgärungen zu begrenzen.
Nach der Ernte muss das Futter zügig und gleichmäßig verdichtet und luftdicht abgedeckt werden. Der Luftabschluss allein verhindert allerdings keine Buttersäuregärung: Entscheidend bleibt, dass der pH-Wert rasch genug sinkt. Siliermittel, also Zusatzmittel zur Steuerung der Gärung, können je nach Produkt und Einsatzbedingungen zur Vorbeugung beitragen. Sie ersetzen sauberes Erntegut und eine sorgfältige Silagebereitung aber nicht. Im Kärntner LK-Silageprojekt 2024 waren die Buttersäurewerte bei automatischer Siliermitteldosierung niedriger, und flüssige Mittel schnitten dort günstiger ab; händisch verteilte Milchsäurebakterien brachten keinen Vorteil. Dieses Ergebnis beschreibt das Projekt und ist keine pauschale Wirkungsgarantie für jedes Mittel oder jeden Betrieb.
